Stimmen zum Buch

Andrea K. schrieb mir...

"Mir gefällt deine Art zu schreiben gut und ich erkenne meine eigenen Gedanken, Zweifel und Ängste jetzt schon wieder....freue mich aufs weiterlesen. Eben bin ich richtig wütend geworden und habe Gott wüst beschimpft wegen 2. Petrus 2, wo Abtrünnige wüst beschimpft und schlimm bedroht werden und das Ding mit der Satansübergabe... auch so eine Horrorvorstellung. Das war unter vielen anderen auch so eine Stelle, die mir Angst und Druck machte, jaaaa... nicht abzufallen. Dass einem die Welt als Dreck vermittelt wird und die eigenen Leidenschaften als falsch und sündig und die Menschheit mit Satan im Bunde steht bzw. in seiner Macht sei, ist ein Verbrechen an der Menschheit und durch deine Zeilen hier wird es echt klar,was der Hintergrund ist....Macht und Vereinnahmung."

 

 

Gedanken einer Leserin

Mein Weg hinaus - Spuren... 
 
Lange Zeit fühlte ich mich in der Gruppe wohl und geborgen…

Habe „gesalbten“ Führern vertraut, mich dadurch klein gemacht und bin zum formbaren Werkzeug des religiösen Systems geworden - bei fast blindem Glauben. 

Doch dann begann ein Prozess...

Kritische Gedanken machten mir große Angst. Trotzdem sprach ich sie vorsichtig aus.

Dann kam großer Widerstand von „Geschwistern“. Das tat und tut immer noch sehr weh.

Ich fühlte mich erpresst: Entweder mache ich stumm weiter mit oder verlasse die Gruppe, bin „anathema“.

Hatte große Angst, wirklich unter einem Fluch zu stehen.

Bodenlose Angst, ins Nichts zu fallen.

Innen wächst eine Entschlossenheit, den Weg der Trennung gehen zu müssen. Es tut sehr weh und ich habe große Angst, aber innen drängt eine Kraft, diesen Schritt zu tun.

Ich weiß, dass ich vieles nicht verstehe und es auch falsch sein kann - aber ich muss dem, was mir Wahrheit erscheint, treu bleiben, auch wenn andere mich verurteilen und sich abwenden.

Entscheidung, der Aussage des Neuen Testaments zu glauben, dass Jesus Christus auch zu mir persönlich sprechen kann und will (z.B. Johannes 10.16) und nicht nur durch die geistlichen Führer des Systems.

Erkenntnis, dass ich nicht nur Menschen vertrauen und folgen kann, sondern ein inneres Ja dazu brauche. Dies wird mir wichtiger als die geliebte Gruppe mit ihrer Geborgenheit, die nur da ist, solange man anstandslos alles mitmacht.

Irgendwann spüre ich die Kraft, den Schritt der Trennung zu gehen.

Es tut immer noch sehr weh, aber ich sterbe nicht daran.

In mir kämpft der Wunsch, in die Geborgenheit der Gruppe zurückzukehren. Aber der Preis, mich dabei selbst zu verlieren, ist zu hoch.

Einsamkeitsgefühle: Die Tür zur Gruppe ist verschlossen, die Außenwelt ist sehr fremd geworden. Große Angst.

Innerlich verwirrt. Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll, kann keinem erzählen, was in mir vorgeht. Würde mich jemand verstehen oder mich doch wieder verurteilen?

Allein. Lese viel in der Bibel, prüfe Predigt-CDs und Kassetten. Sehe Videos. Stelle Fragen und lese neu nach.

Lese theologische und ideologische Artikel anderer Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. Traue mich endlich, kritisch zu denken.

Recherchiere Aussteiger-Berichte, erkenne mich wieder, vergleiche Aussagen mit der Bibel, bete.

Übe, mich wieder in der Außenwelt zurecht zu finden.

Langsam wird der Schmerz der Einsamkeit erträglicher, das Gefühl der Verwirrung schwächer. Das Vertrauen zu Menschen der Außenwelt wächst etwas. Aber ich traue mich nicht, darüber zu reden.

Mehrere Jahre dauert es, bis ich das Gefühl habe, wieder zur Außenwelt dazu zu gehören.

Langsam wächst in mir eine Wut auf das System, in das ich verstrickt war.

Es schwanken Gefühle der Scham, Trauer, Wut, Erschöpfung.

Fragen kommen auf:

Wieso konnte ich in diese religiöse Gruppe rein geraten?

Habe ich mich selbst verführt? Hat mich jemand anderes verführt?

Wie konnte das geschehen? Habe ich nicht richtig aufgepasst?

Wo habe ich Schuld?

Wo haben Andere Schuld?

Was ist eigentlich passiert?

Ich will nicht, dass das noch mal passiert.

Viel investiert: Zeit, Kraft, Geld…. und mehr

Verzichtet: auf Zeit mit Freunden und Familie, berufliches Fortkommen, Hobbies….

Umsonst? Vergeudet?

Aber hat doch auch Spaß gemacht, oder?

Habe andere mit hineingezogen - bin zum Verführer geworden.

Habe mich stolz, überlegen gefühlt, kam mir sehr geistlich vor.

War albern, kindisch, arrogant, selbstbezogen und unkritisch.

Leichtgläubig?

Schuld!!! Auch Opfer???

 

 

Ein mir wirklich bis heute sympathischer Christ schrieb...

"Es gibt nur einen Punkt, bei dem mir das Verständnis schwer fällt. Es ist nicht die Tatsache, dass du dich von einem Glaubenssystem einem anderen zugewandt hast. Sondern dass du dein neues Glaubenssystem mit einer ähnlichen "missionarischen" Überzeugung verbreitest, wie du es lange Zeit mit dem vorigen System gemacht hast.

Objektiv betrachtet ist das, wovon du heute überzeugt bist, auch nur ein anderer Glaube. Es gibt Indizien, die dafür sprechen und andere, die dagegen sprechen. Es ist momentan für dich und für einen gewissen Teil der Menschheit die wahrscheinlichste Erklärung der Realität, aber es gibt keine Beweise und es existiert auch im Atheismus ein unüberschaubarer Bereich, für den es keine Erklärungen und keine Kausalität gibt. Ungeachtet dessen ist es berechtigt, auf diese Theorie zu vertrauen und andere Glaubensgebäude abzulehnen." (Auszug aus seinem Schreiben)

 

 

Rezension eines Ehemaligen...

Thomas Klepsch beschreibt leicht satirisch aber durchaus selbstkritisch seine Zeit in evangelikal-charismatischen Kreisen. Aus eigener, 30jähriger Erfahrung kann ich sein Buch nur als absolut authentisch bezeichnen - genauso geht es zu in dieser frommen Parallelwelt, von der die allermeisten Menschen kaum etwas wissen und über die die meisten Leser des Buches nur den Kopf schütteln dürften. Christlichen Fundamentalisten, die das Buch lesen, kann man nur wünschen, dass sie beim Lesen ein Aha-Erlebnis erfahren und auch ihre Glaubensblase platzt, so wie bei mir vor 5 Jahren geschehen, als ich anfing, die Bibel genauer zu lesen und die vielen Widersprüche und Ungereimtheiten entdeckte. Danke für dieses lebendig geschriebene Buch eines Insiders und Aussteigers, der sich nicht schamhaft zurückzieht, sondern sich traut, Fragen und Überlegungen auszusprechen, die sich die meisten Gläubigen nicht einmal zu stellen trauen.

Peter H.