Informationen für Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche

Wann ist ein Christ ein Christ? 

 

Von einigen Lesern meines Buches, die dem Spektrum der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche angehören, bekam ich die Rückmeldung, warum ich denn so hart und vernichtend mit dem biblischen Gottesbild und generell mit dem Christentum ins Gericht gegangen wäre.  Die Leser meinten, dass sie überwiegend aus traditionellen Gründen Mitglied in ihren Kirchen wären und das geistliche Drumherum nicht besonders ernst nehmen würden. Sie gaben mir zu verstehen, dass man schwierige Inhalte aus der Bibel auch ganz modern auslegen könne. Es wäre doch Vieles nur eine Sache der Interpretation. Eine gewisse Geborgenheit in der Kirche sei doch etwas Schönes und Beruhigendes. Im christlichen Glauben verspüre man Hoffnung darauf, das es nach dem Tode doch noch weitergehen könnte. Genaueres wisse kein Mensch, es sei noch niemand aus dem Jenseits zurückgekehrt.
 
Um dieser Frage zu begegnen, möchte ich zunächst einmal die Beurteilung eines “wiedergeborenen Christen” (ich zählte mich jahrzehntelang dazu) gegenüber Christen aus den evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche beleuchten. Zu den “Wiedergeborenen” gehören überwiegend Angehörige evangelikaler Bewegungen und Gemeinden, von verschiedenen Freikirchen, Pfingstgemeinden und charismatischen Aufbrüchen.  Darunter können durchaus auch Angehörige der großen Kirchen sein. Ein “Born-Again-Christ”, wie er im Englisch-Amerikanischen bezeichnet wird, glaubt nicht daran, dass allein die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche heilsentscheidend sei. Er glaubt auch nicht, dass die Ausübung von Sakramenten und das Empfangen kirchlicher Zuwendungen z.B. in Form der (Baby-)Taufe, der Heiligen Kommunion, der Beichte, der Konfirmation, der Firmung, einer christlichen Eheschließung, der Besuch von Gottesdiensten und letztlich einer kirchlichen Beerdigung, automatisch den Verstorbenen in den Himmel bringen wird. Ganz im Gegenteil! Wiedergeborene Christen vertreten generell die Einstellung, dass Christen, die nicht wiedergeboren sind, sogenannte “Namenschristen”, genau so verloren gehen (ein niedlicher Ausdruck, was laut Bibel solchen Menschen wirklich droht, nämlich eine ewige Hölle!), wie Abgefallene (z.B. ich), Atheisten, Agnostiker, Moslems, Hindus, Buddhisten und Angehörige anderer Religionen.  Demzufolge reicht der Missionsauftrag wiedergeborener Christen auch in die evangelisch-landeskirchlichen und katholischen Kirchen hinein, um dort die Verlorenen auf den rechten Weg zu bringen. 
 
Heilsentscheidend allein sei eine bewusste Entscheidung für Jesus Christus und ein lebendiger Glaube bis an die Pforte des Todes.  Als biblischer Background gelten die Bibelstellen aus Johannes, Kap. 1, (Verse 12-13) und Kap. 3, (Verse 5 & 36).
 
Als Angehöriger einer großen Konfession brauchen Sie deshalb nicht sonderlich darüber überrascht sein, wenn Sie in Fußgängerzonen und Einkaufszentren persönlich oder durch diverse christliche Traktate (trotz ihrer Argumentation Sie wären Angehöriger der evangelischen oder katholischen Kirche) mit der biblischen Botschaft konfrontiert werden. Das christliche-abendländische Leben eines gewöhnlichen Kirchgängers reicht für einen “Born-Again-Christen” nicht aus, um sicher im Paradies zu landen.
 
So haben wir erst einmal diesen wichtigen Aspekt kurz beleuchtet. Zum anderen sind wiedergeborene Christen der Auffassung. dass das Wort Gottes in vielen Großkirchen falsch, verwässert oder viel zu liberal gepredigt wird. Für fundamentale Christen ist die Bibel das inspirierte Wort Gottes! Daran gibt es nichts zu rütteln! Das was dort geschrieben stehe, sei zuverlässig und wahr. Die Berichte seien zwar von fehlbaren Menschen aufgeschrieben worden, in der Zeit der Abfassung der Texte wären Dieselben jedoch unter dem Einfluss und Inspiration des Heiligen Geistes gestanden.  Deshalb sei die Bibel von Grund auf vertrauenswürdig, Kritik an ihr könne nur in ganz geringem Rahmen gestattet werden. Wiedergeborene Christen glauben demzufolge wörtlich an die meisten Berichte der Bibel. Hier nur einige wenige Beispiele:
 
- Simson erschlug mit einem Eselskinnbacken 1000 Gegner
- Lots Frau wurde tatsächlich von Gott in eine Salzsäule verwandelt
- Dir große Flut ertränkte tatsächlich alle Menschen auf Erden, nur Noah und seine Familie 
  wurden gerettet
- Der Teufel sei ein von Gott verstoßener Engel, andere verstoßene Geistwesen wären die
  Dämonen
- Menschen können von Dämonen befallen sein, psychische und physische Krankheitsbilder
  könnten dadurch auftreten
- Jesus sei durch den Heiligen Geist gezeugt worden, nicht durch Josef, den Ehemann
  Marias
- Jesus wandelte tatsächlich auf dem Wasser und machte Wasser zu Wein
- Jesus weckte tatsächlich den toten Lazarus auf
- Jesus wurde gekreuzigt, er starb, danach soll er auferstanden sein und habe sich seinen
  Jüngern gezeigt
- Das große Weltgericht nähere sich. Jesus würde ein zweites mal als Weltenrichter auf die
  Erde kommen. An Jesus Gläubige würden dann im Himmel leben, Nicht-Gläubige würden
  ewiglich gequält werden
 
Das sind nur einige Aspekte. Es gibt noch tausend andere biblische Worte die unumstößlich von fundamentalen Christen geglaubt und gelehrt werden. Sehr viel Raum für moderne, liberalere Auslegungen gibt es dabei für sie nicht.
 

 

Ich halte fest: die zweifelhafte “Betriebsanleitung” des Christentums, die Bibel, ist immer noch die Grundlage des gesamten Christentums. Demzufolge habe ich eine gewisse Hochachtung gegenüber liberal denkenden, humanistisch gesinnten Christen. Sie sind mir in ihren kritischen Ansichtsweisen und in ihren  Überlegungen manchmal sehr nahe. Jedoch reichen ihre gutgemeinten Ansichten nicht aus. Warum? Weil die Bibel  sich selbst als das wahrhaftige, von Gott inspirierte Wort definiert und weil Heil allein durch den Glauben an den Gottessohn zu erlangen ist. Alle anderen Wege führen unausweichlich für alle anderen Menschen in einen ewigen Abgrund. Mehrere Bibelstellen bezeugen dies eindeutig. Nach meinem kritischen Diskurs mit der Bibel kam ich zu der Auffassung, dass dieses Buch nicht von einem liebenden, weisen und barmherzigen Gott stammen kann. Ich musste es deshalb komplett verwerfen. Ich ordne die Heilige Schrift als eine Sammlung archaischer, oft brutaler, äußerst fragwürdiger, sich zum Teil widersprechender, unglaubhafter, märchenhafter Texte ein. Mir ist bewusst, dass ich aus der Sichtweise eines ehemals fundamental Gläubigen geschrieben habe, deshalb wirkt mein Buch für den ein oder anderen Leser vielleicht zu hart. Ich denke aus dem Blickwinkel meiner geistlichen Vergangenheit können meine kritischen Abhandlungen besser verstanden werden.