Kleiner Religionen-Check

Fundamental gläubige Christen beurteilen andere Religionen grundsätzlich als „irreführend“, „rückständig“, und als „bemitleidenswerten Aberglauben“. Menschen mit nichtchristlicher Weltanschauung wird das Evangelium als allein seelig machende Wahrheit gepredigt. So auch im Ausland, unter den Ureinwohnern Südamerikas, mit Hilfe sozial-missionarischer Dienste und pseudo-wissenschaftlicher Sprachforschungen, die vorwiegend durch zahlungskräftige westliche christliche Werke und deren Spendern finanziert wird. Indigene Kultur wird akzeptiert, die vorhandene Religion jedoch generell als destruktiv gewertet. Missionierende Christen haben sich zum Ziel gesetzt, die dortige Gesellschaft, Politik, Kommunen, Gemeinschaften, Familien und Schulen durch biblische Lehre zu infiltrieren. Hilfsprojekte und tätige Nächstenliebe setzen beeindruckende Zeichen. Es ist sehr erstaunlich was da auf den Weg gebracht wird, z.B. der Aufbau von Schulen und Kindergärten, Ausbildungsstätten, Kinderpatenschaften, Förderung zur Gründung kleiner Unternehmen, Familienhilfe etc.. Leider geschieht dies unter dem Zeichen des Kreuzes und unter dem Überbau biblisch-christlicher Glaubensüberzeugungen. Fundamentale Christen hegen beständig die Hoffnung, dass ihre Lehre im Laufe der Zeit übernommen und geglaubt und der "unseelige, belächelnswerte Aberglaube" absterben wird. 


Mein Vergleich zeigt wesentliche Glaubensinhalte auf. Zum einen biblisch-christliche Glaubenssätze, die den Standard evangelikalen Glaubens darstellen. Zum anderen religiöse Grundvorstellungen der Ureinwohner Südamerikas. Lassen Sie alles auf sich wirken. Vergleichen Sie die einzelnen Punkte und denken Sie in aller Ruhe über ihre Inhalte nach. 

Was ist Ihrer Ansicht nach "Aberglaube", was klingt seltsam,  rückständig und bemitleidenswert? Wie wirken beide religiösen Vorstellungen im Lichte der heutigen Zeit? Und was könnten Sie durchaus in Ihre Weltvorstellung übernehmen? 


Ich habe jeweils 12 Punkte zusammengestellt.

Christentum (knapp 2000 Jahre alt)

Indigene Glaubensansichten Südamerikas (existieren bereits  100.000 Jahre und mehr)


  1. Es gibt nur einen Gott
  2. Dieser eine Gott besteht aus 3 Gottheiten, dem Vater, dem Sohn (Jesus Christus) und dem Heiligen Geist
  3. Diese Götter sind absolut wesensgleich, einheitlich, sie haben immer eine Meinung, harmonieren bis auf das i-Tüpfelchen, es handelt sich jedoch um 3 verschiedene Persönlichkeiten
  4. Umgeben sind die 3 Wesen von einem riesigen Heer himmlischer Engel
  5. Der Gegenspieler Gottes ist der Teufel, der mit einer zahlenmäßig etwas kleineren Menge abgefallener Engel (den sogenannten Dämonen) abgeschieden im Abgrund wohnt. Sein Verlangen ist es, der Schöpfung Gottes, insbesondere den Menschen, zu schaden und diese vom Glauben an den Erlöser abzubringen bzw. abzuhalten
  6. Jesus war bis zu seinem Tod in einer Art Zwitterstellung, er war wahrer Mensch und wahrer Gott.
  7. Jesus wurde übernatürlich gezeugt. Durch Maria, eine in den Augen Gottes wohlgefällige Frau und mit Hilfe des Heiligen Geistes, der sie nach einer göttlichen Ankündigung schwängern durfte. 
  8. Während seines etwa 2 Jahre andauernden Auftretens auf der Erde hat Jesus zahlreiche Wunder vollbracht haben, z.B. hat er Wasser in Wein verwandelt, Brot vermehrt, ist zu Fuß auf der Wasseroberfläche des See Genezareth gegangen, hat viele Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben und hat sogar Menschen vom Tode auferweckt.
  9. Jesus ist nicht nur für das Volk Israel gekommen, sondern für die ganze Welt. Alle Menschen sind Sünder, deshalb kann niemand nach seinem Tod bei Gott weiterleben, sondern ist für eine ewige, qualvolle Bestrafung in einer feurigen Hölle bestimmt. Die Sündhaftigkeit des Menschen kann nur durch Blut gesühnt werden, durch den Tod des Sohnes (Jesus), der freiwillig am Kreuz durch sein vollkommenes Opfer eine Erlösung für die Menschen vollbracht hat. Die Versöhnung mit Gott kann jedoch nur wirksam werden, wenn das Angebot angenommen wird. Das heißt eine persönliche Entscheidung ist unabdingbar. Diese erfolgt in der Regel durch Buße (ein bedauerndes Bekenntnis man sei ein sündhaftes und deshalb verlorenes Wesen), der aufrichtigen Hinwendung und der Lebensübergabe andenHerrn, die alle Bereiche der Lebensführung bestimmen darf. Ein aktiver Glauben ist gefordert. Das menschliche Individium ist darin gefordert, seinen Glauben aufrecht, bis zum Lebensende zu erhalten. 
  10. Nach dem Tod am Kreuz ist Jesus Christus nicht im Grab geblieben, sondern ist geistlich, seelisch und leiblich auferstanden. Er erschien seinen Jüngern, mit denen er gegessen und die er belehrt hat; unter anderem befehligte er die Jünger und ihre Nachfolger, die gesamte Welt zu missionieren und die angeblich gute Botschaft zu verkündigen
  11. Seither herrscht Jesus mit dem Vater und dem Heiligen Geist zusammen vom Himmel her über das gesamte Universum. Dem erbarmungswürdigen Zustand der Schöpfung und ihrem mannigfachen gegenwärtigen Leiden, wird punktuell, vorwiegend nach Gebet des Gläubigen, begegnet. Eine endgültige Beseitigung des Leids erfolgt erst nach dem Endgericht über die Erde. 
  12. Jesus kommt am Ende der von Gott festgelegten Weltzeit wieder auf die Erde zurück, um Gericht zu halten. Zuvor wird er die zu diesem Zeitpunkt gläubigen Christen übernatürlich zu sich in den Himmel entrücken. Jesus wird mit den Engeln zusammen gegen die bösen Mächte siegreich kämpfen, anschließend ein tausend Jahre währendes Reich auf der Erde aufrichten und danach nochmals ein endgültiges Gericht abhalten. Der Teufel und seine Engel, sowie Menschen, die nicht zum Glauben kamen, bzw. ihn abgelehnt haben, werden ewiglich in der Hölle, in einem See aus Feuer gequält 

 

  1. Die Ureinwohner verfügen über keine gemeinsamen Götter, jedoch über einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund, in den die Mythen eingebettet und auf den sie bezogen sind
  2. Fast nirgends wird an allmächtige Götter geglaubt oder an einer monotheistischen Vorstellung festgehalten
  3. Der Glauben bezieht sich stattdessen häufig auf spirituelle ewige Kreisläufe der Natur, die sich im menschlichen Leben widerspiegeln
  4. Alles ist beseelt
  5. Die Welt wird von guten und bösen Geistern, Seelen, Hexen, Zauberern usw. bevölkert, die Schaden bewirken können, wenn die korrekten Rituale nicht eingehalten werden. Vorzeichen, Amulette und Träume sind sehr wichtig
  6. Es existiert eine umfangreiche, animistische Geisterwelt, wobei Tiergeister als Manifestationen der Weltseele gelten
  7. Jeder Mensch hat einen persönlichen Schutzgeist, der in Gestalt eines anderen Lebewesens an den Menschen gebunden ist
  8. Medizinmänner treiben böse Geister mit theatralisch inszenierten Ritualen aus. Dazu nutzen sie Rauschmittel
  9. Teilweise wird eine Erdmutter verehrt, die für das Wachstum angebauter Pflanzen zuständig ist
  10. Zum Teil wird an einen Kreislauf der Wiedergeburt von Mensch zu Mensch über einen Zwischenaufenthalt in Tieren oder Pflanzen geglaubt
  11. In mythischen Welten treten Menschen als Tiere und Tiere als Menschen auf und verwandeln sich ineinander. Weit verbreitet ist der Mythos von der Anakonda als Herrin der Kulturpflanzen und dem Jaguar als Herr des Feuers, der das ständige Ringen zweier Grundprinzipien aufzeigt (ähnlich den nordamerikanischen Mythen vom Kampf zwischen Donnervögeln, Unterwasserpanthern und gehörnten Riesenschlangen)
  12. Grundlage allen Glaubens ist die Bewahrung der idealen und harmonischen Beziehungen, die zwischen allen existierenden Kräften eingehalten werden müssen, damit die Gemeinschaft überleben kann.

 


Buchempfehlung

In diesem Zusammenhang möchte ich ein Buch von Daniel Everett empfehlen. Everett war christlicher Missionar und lebte 7 Jahre lang mit den Piraha-Indianern am Amazonas. In seinem Leben mit den Indigenen hinterfragte er zunehmend sein missionierendes Engagement und seinen christlichen Glauben. Er kam zum gleichen Entschluss wie ich. Everett stieg konsequent aus der Glaubensblase aus. Sein sehr lesenswertes, lebendig geschriebenes Buch hat den Titel: "Das glücklichste Volk" und ist im DVA-Verlag erschienen.