Christ und Corona

Psalm 91 – kontra - Covid 19

 

Heute Morgen (Stand: März 2020) las ich im Lokalteil meiner Tageszeitung, dass Christen jeden Abend, kurz vor 20.00 Uhr, durch anhaltendes Glockenläuten ihrer Kirche dazu aufgerufen werden, zuhause ins Gebet zu gehen. Empfohlen wurde den Psalm 91 zu beten.

 

Als früherer Pastor hatte ich so eine Ahnung, schlug in der Bibel nach und wurde nicht enttäuscht. Es steht dort genau das drin, was ich noch in meinem Oberstübchen abgespeichert hatte...

 

 

Psalm 91

 

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, 2 der spricht zu dem HERRN: / Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. 3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. 

4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, 5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, 6 vor der Pest, die im Finstern schleichtvor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. 7 Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite / und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen. 8 Ja, du wirst es mit eigenen Augen sehen und schauen, wie den Gottlosen vergolten wird. 9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. 10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. 11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, 12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 13 Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten. 14 »Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. 15 Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; / ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. 

16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.«

 

Sie können schon am Text erkennen, ich habe die Stellen fett hervorgehoben, auf die ich besonders eingehen möchte. Ja, dem Schreiber des Psalms waren unheilbringende, unsichtbare Krankheiten sehr wohl bekannt. Die Seuche „schleicht im Finstern“ und „bringt am Mittag Verderben“, „Tausende fallen zur Rechten und Linken“.

 

Genauso verhält es sich mit der derzeitigen Corona-Pandemie, man sieht sie nicht, kann sie nicht hören, schmecken, tasten, fühlen und doch ist sie da und bewirkt vielfach Krankheit und Tod.

 

Während die Ursache der Seuchen in der damaligen Zeit sehr oft finsteren Mächten oder der Strafe Gottes zugesprochen wurden, weiß man heute was wirklich verantwortlich dafür ist: es handelt sich um gefährliche, für das Auge unsichtbare Viren, die sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. So hat die Wissenschaft die damaligen archaischen Ansichten über die Ursachen einer Seuche nicht nur entkräftet, sondern total aufgelöst. Deshalb ist es gegenwärtig so außerordentlich wichtig Abstand voneinander zu nehmen und Ansammlungen zu meiden. Das gilt für jeden Menschen! Kulturelle, religiöse und weltanschauliche Hintergründe spielen keine Rolle. Und jetzt dies: Christen werden von ihren Kirchen aufgerufen den Psalm 91 als Trost und persönlichen Schutz betend zu rezitieren …  

 

Wenn es sich nur um eine allgemeine Ermutigung und den Schrei nach Gottes Hilfe handeln würde, hätte ich hier nichts geschrieben. Was mir jedoch an diesem Psalm sehr übel auffällt, ist, dass der Schreiber sich nicht einreihen möchte in die Gruppe der potentiell Gefährdeten und Gefährder. Gottes Wort postuliert und behauptet in diesen Versen ganz frech, dass gläubige Menschen in besonderer Weise unter dem Schutz des Höchsten stehen; offenbar durch beauftragte, behütende Engel. Die um sich greifende Pest sei von Gott explizit bestimmt, "Gottlose" ins Gericht zu führen. Im Kern behauptet dieser Psalm, dass glaubenslose Menschen besonders betroffen seien, während sich Gläubige gelassen zurücklehnen könnten... Durch Vers 8 bekommt man den Eindruck, dass der Psalmschreiber sich sogar an dem Leiden der Armseligen ergötzen möchte. Der als trostspendend empfohlene Psalm zeigt die duale Kehrseite fundamental verstandener Frömmigkeit auf und schließt Nichtgläubige aus. Allen Ernstes sollen Christen, die betend diese Verse rezitieren, davon überzeugt werden, dass der Herr, als "Oberlotse koronarer  Viren" einen Unterschied machen werde zwischen der Krankheitsanfälligkeit von Christen und Nichtchristen, zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen! Während Atheisten, Moslems, Buddhisten und Glaubensaussteiger wie ich, zu tausenden niedergestreckt würden, ergehe es Menschen mit "Glaubens-Backround" anders. Nicht mal einen blauen Zehen kriegen sie ab (Vers 12) :-) !

 

Liebe Leser, niemand weiß genau, wie lange diese schlimme Zeit andauern wird. Aber am Ende der Corona-Pandemie werde ich gerne die statistischen Zahlen untersuchen. Ich bin gespannt, ob der vermeintliche Todesengel an den Häusern der evangelischen und katholischen, der evangelikalen, charismatischen, pietistischen, neuapostolischen Christen und auch an den Versammlungen der Zeugen Jehovas, sowie der jüdischen Mitbürger vorbei gegangen ist... nach Auswertung der letzten Daten (Stand: 13.01.2021) jedenfalls nicht! Heute kann bereits beurteilt werden, das sogar das Gegenteil der Fall ist. Christliche Veranstaltungen entpuppten sich als Virenschleudern und Hotspots des Corona-Virus. Z.B. veranstaltete die Freikirche «Porte Ouverte» in Mulhouse vom 17. bis 24. Februar 2020 ein Gebets-und Fastenwochenende mit über 2000 Teilnehmern. Darunter waren mehrere, nach außen hin nicht erkennbar Infizierte, die ihre Glaubensbrüder- und Schwestern ansteckten. In den Folgewochen entwickelte sich daraus in der Region ein grasierender Infektionsherd, der sich durch den Export ins Ausland Luxemburg, weiter verbreitete.  Das Elsass war dadurch in Frankreich eine Zeit lang die am stärksten betroffene Region!

Ein weiterer Hotspot in Süddeutschland war offenbar der Hohelohekreis. In einer Kirche in Kupferzell fand am 1. März ein Konzert mehrerer Posaunenchöre, die bei ihren Lobpreisungen Wolken von Coronaviren in die Luft bließen. Dort wurden sehr viele Menschen infiziert, die wiederum selbst zu Verteilern des Virus wurden. Die Fallzahlen in den 14 anderen Kommunen lägen weit niedriger, größtenteils einstellig, so die Bewertung des zuständigen Gesundheitsamtes.

In Italien starben bis dato dutzende katholische Priester, die sich untereinander oder bei infizierten Gläubigen angesteckt hatten.

 

Corona als Zeichen der Endzeit zu deuten liegt für viele fundamental Bibelgläubige auf der Hand. Anscheinend hat Jesus in Matthäus 24, 7 darüber Auskunft gegeben. Doch gebe ich zu bedenken, dass bereits die Naherwartung der ersten Christen enttäuscht wurde. Jesus kam in den ersten beiden Jahrhunderten nicht zurück. Genauso wenig kam es lange Zeit später zu keiner Erscheinung des Herrn, als die Pest im Mittelalter grassierte oder  wiederum Jahrhunderte später, in den Jahren 1918 – 1920, als die Spanische Grippe mit etwa 50 Millionen Toten wütete. Auch Corona wird vorbei gehen und ich prophezeie ein wenig: es werden wieder einige Jahrhunderte ins Land gehen ohne das der Herr kommt... 

 

Noch ein Wort und eine Frage an alle gläubigen Christen:  die Bibel versteht sich als von Gott inspiriertes, zuverlässiges Wort. Der Psalm 91 gehört auch dazu! Können Sie diesem Wort noch Ihr Vertrauen schenken?

 

 

 Aber "Hallo",  der erste Kommentar ist eingetrudelt......

 

"Lieber Thomas, 

ein DICKES DANKESCHÖN. Der Artikel gefällt mir so gut, dass ich heute noch damit starten werde ihn "viral" zu verbreiten! 😏

Ja, auch ich stolperte sofort über Vers 8 in dem dieser Gott offenbar mit etwas Häme "zuschaut" wie "den Gottlosen VERGOLTEN wird", was ja schon in Richtung "unterlassene Hilfeleistung" geht, wo er doch der Allmächtige ist. Aber mit Rache- und Vergeltungsgedanken scheint der Höchste keinerlei Probleme zu haben....

Mir fällt dabei immer wieder auf von wieviel Egoismus, Selbstverliebtheit und eigener Vorteilsbeschaffung ein Gläubiger doch angetrieben wird. "Hauptsache mir geht es gut!"

Im Vertrauen, den richtigen Gott und genug Klopapier zu haben scheint er herzlich wenig Empathie für seine Mitmenschen aufzubringen, deren einziges Vergehen darin besteht sich nicht demselben Gott unterworfen zu haben.....man könnte auch sagen, nicht an den "Führer" zu glauben sondern an den einzelnen Menschen......nicht an das Göttliche sondern an das Menschliche....nicht an einen unbarmherzigen Diktator im Himmel sondern an die Liebe unter den Menschen.....

Wenn man auf der Website des  "Gospel Forums"  unter der Rubrik "Was wir glauben" nachschaut wird man auf folgenden Punkt stoßen:

 

"Wir glauben an ein Ewiges Gericht, das auf alle die wartet, die sich der Liebe Gottes verweigert haben."

 

In diesem kleinen Satz steckt eigentlich die ganze zynische Essenz dieses Glaubenskonstrukts. Die "Zuversicht" dass MEIN LIEBENDER GOTT alle anderen bestraft, die sich nicht unterordnen....beschönigend formuliert mit: ".....die sich der Liebe Gottes verweigert haben"

Hier ist ein archaisches Rudeldenken zu erkennen: Wir dir Rechtgläubigen - Dort die Ungläubigen......Wir die Auserwählten - Dort die Verdammten........Wir die Guten - Dort die Bösen .....es ließe sich beliebig fortsetzen.

Mitleid mit den Mitmenschen, die vom "Lieben Gott" auf grausame Weise für ein Nichts bestraft werden kennt der Gläubige offenbar überhaupt nicht.....auch nimmt er es seinem Gott auch in keinster Weise übel......was für eine verlogene Scheiße!

 

Freie Grüße, 

 

Peter P.

 

 

dpa-Meldung von Anfang November 2020:

 

Nach einem massenhaften Corona-Ausbruch unter Anhängern einer Freikirche in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) prüft das Landratsamt eine Anzeige gegen die Kirche. Knapp 60 Personen hätten sich im Zusammenhang mit zwei Gottesdiensten Ende Oktober mit dem Virus infiziert, teilte eine Sprecherin der Behörde am Donnerstag mit. Die Zahl der Folgefälle nehme weiter zu. Insgesamt besuchten demnach rund 150 Menschen die Gottesdienste. Über eine Anzeige denke man nach, weil es in der Verantwortung der Kirche gelegen habe, vollständige Teilnehmerlisten vorzulegen. Auf den Listen fehlten aber teils die Adressen. Zudem seien falsche Namen und Telefonnummern angegeben worden. Das mache es schwierig, die Teilnehmer zu kontaktieren. Zu der Frage, ob bei den Gottesdiensten die Hygieneregeln missachtet worden seien, lägen dem Amt keine Informationen vor, sagte die Sprecherin. Zuvor hatten «Südkurier» und «Schwarzwälder Bote» über den Fall berichtet.

 

dpa-Meldung vom 04.01.2021 (Ausschnitt) unter der Überschrift "Sekten in der Corona-Krise - Covid mit Gebeten bekämpfen":

 

Berlin/Freiburg (dpa) - Wenn man nur ganz fest daran glaubt, kann man das Coronavirus wegbeten, denkt der Mann. Die Pandemie sei ein Test und Gottes Wille. Und sollte er sterben, dann sei das eben auch ein göttlicher Wunsch, erzählt das Mitglied einer freikirchlichen Bewegung der Beraterin Sandra Pohl. «Er dachte, man müsse sich nicht an die Maßnahmen halten, wenn man nur fest genug an Gott glaube», sagt die Leiterin der Beratungsstelle Zebra in Freiburg. Trotz sinkender Mitgliederzahlen in den etablierten Großkirchen beobachtet die Zebra-Stelle in diesem Jahr ein großes Bedürfnis nach sinnstiftenden Angeboten. «In Krisenzeiten ist der Wunsch nach Halt und Orientierung stärker ausgeprägt», sagt Pohl. Einige Menschen hätten Sehnsucht nach weniger Komplexität und nach schwarz-weißen Weltbildern. «Manche neu-religiöse Gruppierungen vertreten ja genau diese Weltbilder, die schwarz-weiß sind», sagt Pohl. Doch gelingt es religiösen Bewegungen, die Krise für eigene Zwecke zu nutzen?

Fritz sieht unter anderem bei einigen Evangelikalen und rechten Katholiken die Tendenz, sich im Internet Corona-skeptisch zu äußern. Und auch bei Demonstrationen gibt es Menschen mit Kruzifixen um den Hals oder in der Hand. «Ein paar evangelikale und pfingstliche Christen sind zu Corona-Demos gegangen, um da quasi diese Stimmung und die Verunsicherung aufzugreifen und als Missionschance zu nutzen», sagt Fritz.

 

 

dpa-Meldung vom 04.01.2021 Polizei löst Gottesdienst in Herford auf:

In einem Ortsteil von Herford hat die Polizei am Samstagabend einen Gottesdienst einer Freikirche aufgelöst. Mehr als 100 Gläubige hatten gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen.
Gottesdienst trotz Coronavirus: Die Mitglieder der freikirchlichen Kirchengemeinde "Jesu Christie" Herford, die sich am Samstagabend im ostwestfälischen Herford-Falkendiek trafen, hätten weder einen Mund-Nasen-Schutz getragen, noch habe es ein Hygienekonzept gegeben, so die Polizei. Als die Beamten eintrafen, hätten sich viele Gläubige in unterschiedlichen Räumen und auch im Keller versteckt.
Der aufgelöste Gottesdienst in Herford ist kein Einzelfall. Erst kurz vor Weihnachten hatte die Polizei in Essen ebenfalls einen Gottesdienst der freikirchlichen Pflingstgemeinde auflösen müssen. Auch dort waren über 80 Gläubige zusammengekommen, die gemeinsam sangen, keine Masken trugen und Abstände nicht einhielten - als gäbe es das Corona-Virus nicht.