Blick ins Buch


Seiten 86 - 87

 

Es klang für mich absolut befremdlich, dass der angeblich allmächtige Gott, sich so an die Kette des Teufels legen lässt. Zum einen war für gläubige Christen, durch den Tod und die Auferstehung Christi ein vollkommener Sieg über die Mächte der Finsternis erlangt worden, andererseits war der Kampf gegen die bösen Mächte immer noch von ihnen gefordert (Epheser 6, 10 – 12). Das war nicht zu verstehen! Erst recht nicht, weil Jesus, bereits vor seinem vermeintlichen Triumph auf Golgatha, Vollmacht über die bösen Geister hatte. Nach den Berichten aus den Evangelien trieb er ohne Mühe, Dämonen und böse Geister aus Menschen aus. Warum sollte immer noch ein geistlicher Kampf nach dem Epheserbrief verordnet sein, wenn doch nach Kolosser 2, 15, der Feind völlig entwaffnet (!) und öffentlich zur Schau gestellt worden war?

 

Doch Ted stand mit seiner Meinung nicht allein da. Sie wurde in Teilbereichen zwar unterschiedlich ausgelegt, aber im Prinzip war man sich einig, dass der Christenheit immer noch ein Kampf verordnet war. Der Wunsch Satans sei es, Gottes Kinder zu bekämpfen und die Pläne ihres Herrn zu verhindern. Ich habe mich damals schon gefragt, ob der Teufel nicht auch noch anderen Hobbys frönt…

 

Warum kam der Herrgott nicht in „die Puschen“ und zeigte dem Satan „wo der Hammer hängt“? Warum benötigte er menschliche „Mikrohilfe“ in Form von Befreiungsgebeten? Ich habe nie einen Christen (mich damals eingeschlossen) gehört, der auf die Idee kam, diese Fragen zu stellen. Die Bibel zeugt von einer archaisch geprägten, dualen Welt- und Glaubensvorstellung. In der Begründung des Kampfes zwischen Licht und Finsternis griff Ted gerne auf alttestamentarische Bibelstellen zurück. Exemplarisch sei eine Stelle genannt, als der biblische Daniel im Gebet Gott um Hilfe bat und diese erst sehr viel später eintraf. Folgende Begründung bekam Daniel von dem Engel zu hören:

 

Daniel 10, 12 – 13 „Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden. Und um deiner Worte willen bin ich gekommen. Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir 21 Tage entgegen. Und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen, und ich wurde dort entbehrlich bei den Königen von Persien“.

 

 

Durch diese Bibelstelle waren die Gläubigen im Besitz eines „Schlupfloches“, in dem sich der untätige, nicht eingreifende Gott verstecken konnte. Es wurde argumentiert, dass Gott grundsätzlich jedes Gebet höre. Allerdings könne es sein, dass ihm manchmal in der Beantwortung des Gebets etwas dazwischenkomme. Dem Satan und seinen Dämonen sei es möglich Gott Widerstand entgegen zu bringen. Eine noch lustigere Begründung ist ebenfalls dem Text zu entnehmen: Gottes ausgesandte Hilfsengel waren woanders beschäftigt und mussten erst mal Ablösung anfordern…