Blick ins Buch


Ein kleiner Auszug aus dem biografischen Teil:

 

....... Während „die Neuen“ in der Sendungsgemeinde für ihren Glauben an Jesus “brannten”, stellten wir fest, dass Christen, die schon jahrelang in der Gemeinde beheimatet waren, genügsamer und abgeklärter wirkten. Bildlich verglich ich sie mit Leuten, die als Heizer einer Dampflock eingestellt worden waren, sich jedoch im Laufe der Fahrt zu eher träumerischen Fahrgästen verwandelten. Mit solch müden Christen das Land zu erobern war schwer. Dennoch kündigte mancher Prophet oder Gastprediger an, dass der Herr sich bald erbarme und eine Erweckung sende. Außer ein paar mehr oder weniger laut zustimmenden Bestätigungsrufen „Preis dem Herrn“ oder „Halleluja“, nickte die Mehrzahl der Gemeindeglieder nur ab. Es hatte den Anschein, als ob sie innerlich gähnten. Zu oft hatten sie dieselben Sprüche gehört! Effektiv war über die Jahrzehnte hinweg nur wenig passiert. In meiner Gemeindezeit stellte ich fest, dass nicht selten langjährige Mitglieder die Gemeinde verließen. Einige wirkten ernüchtert, manche gefrustet, zwischen einzelnen Leuten oder kleineren Gruppen gab es Streit. Es gab kritische Töne und es waren Gerüchte im Umlauf. Was mich total schockte, war die Tatsache, dass sich gläubige Ehepaare trennten und scheiden ließen. Manchmal kam ich mir vor wie im falschen Film. Wohin war ich hier nur geraten? Bei meinem Eintritt in die Sendungsgemeinde hatte ich noch das Bild vor Augen, dass die Gemeinde ein Abglanz des Himmels sei. Oft zweifelte ich an der Aussage der Offenbarung, die die Gemeinde als eine reine, in weiß gekleidete Braut beschreibt........

 

 

 

Und noch eine "Portion" aus den kritischen Abhandlungen, hier aus dem Thema "Der liebe Gott und der Holocaust":

  

.......... In Anbetracht der gewaltigen Verbrechen des Holocausts werden viele Christen nachdenklich. Sie stellen sich die gleichen Fragen wie ich damals. Wie kann es sein, dass ein liebender Gott so etwas zulässt? Was ist von einem Gott zu halten, der mehrfach seinen ewigen Bund mit Israel bekräftigte und dennoch sein Volk „brutal ins Messer laufen ließ“? Viele Christen haben keine Antworten darauf. Manche weichen aus und schieben die Fragen mit der lapidaren Bemerkung „Gott wird schon wissen warum!“ von sich weg. Im Hinterkopf haben sie den Text aus Römer 8, 28, der besagt, dass letztlich alle Dinge zum Besten dienen. Das ist einer der Standardsätze, der von Christen gerne zitiert wird, wenn ihnen etwas Schlimmes widerfährt. So behaupten viele Christen demzufolge, dass die Staatsgründung Israels im Jahre 1948 ohne den Holocaust nicht denkbar gewesen sei. Die Zusammenführung der verstreuten Juden aus aller Welt sei eine alttestamentarische Prophezeiung. Sie hätte ihre Erfüllung in dem neuen „von Gott wiederbelebten Staat“ gefunden. Und das wäre doch insgesamt so wunderbar! „Bald komme Jesus auf den Ölberg zurück“…

 

Viele Gläubige negieren die Untätigkeit Gottes während des Holocaust und verweisen auf einzelne grandiose Hilfszeugnisse, wo Gott angeblich Juden geholfen haben soll. Auf der anderen Seite wird das große Übel mit dem von Gott geschenkten „freien Menschenwillen“ begründet. Denn letztlich, so wird argumentiert, musste Gott auch den freien Willen der Nazis respektieren. Er konnte ihnen den freien Willen nicht einfach entziehen… Konfrontiert man diese Christen jedoch mit den biblischen Hilfszusagen und den Verheißungen Gottes gegenüber seinem Volk, werden die Leute ganz schnell still. Man sieht deutlich in der Gegenüberstellung: Es wird alles so hingelegt, ausgelegt und argumentiert, dass der biblische Gott gut wegkommt. Tieferes Nachsinnen ist nicht erwünscht, könnte es doch zur unangenehmen Nebenwirkung des Zweifels an den scheinbar Allmächtigen führen.

 

Ich kann nur den Kopf über solche billigen Antworten schütteln! Aber geradezu wütend werde ich, wenn unverbesserliche fundamentale Hardliner behaupten, dass die Juden selbst für den Holocaust verantwortlich wären. Als Begründung wird die angebliche Selbstverfluchung der Juden, bei der Verurteilung Jesu durch Pilatus, angeführt: Matthäus 27,25 „Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ Von solchen Christen wird doch tatsächlich behauptet, dass die Worte des Fluchs bis in unsere Zeit hinein eine Auswirkung haben können. Die Verdammung sei erst dann aufgelöst, wenn Israel sich zum Messias Jesus bekehre. Was für eine stumpfe, groteske und überaus boshafte Begründung!