Blick ins Buch


Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort.......................................................................................................... 7

Meine Kindheit / erste Berührungen mit dem Glauben.......................... 10

Winnetou bekehrt sich............................................................................ 12

Mit den Pfadfindern unterwegs............................................................... 13

Rock’n Roll in the Name of the Lord....................................................... 16

Heimbibelstudium beim Zeugen Jehova................................................. 17

Ein Traktat hilft weiter.............................................................................. 20

Glauben mit Gewissensbissen................................................................ 21

Polizeidienst / Erfahrungen zwischen Leben und Tod............................. 23

Bohrende Ängste.................................................................................... 26

Orientierung in Politik und Kirche............................................................ 28

Was ist bloß mit der Ines los?................................................................. 30

Kleiner Exkurs: Wunderheilungen / Reinhard Bonnke............................ 34

Erstes Schnuppern in der Freikirche....................................................... 38

Kleiner Exkurs – Taufe im Heiligen Geist & Beten in Zungen................. 40

Ex-Rocker Olli auf Bekehrungstour........................................................ 44

Leben in der Sendungsgemeinde........................................................... 50

Glaubensgrundkurs und die dunkle Seite der Frohbotschaft.................. 50

Jeder Christ – ein Evangelist.................................................................. 52

Sind Christen Freunde über den Glauben hinaus?................................ 53

Erweckung hat seinen Preis!.................................................................. 57

Der erweckte Konrad.............................................................................. 62

Die frohe Botschaft in der FuZo............................................................. 64

Evangelist Sam Green........................................................................... 70

Hauskreise............................................................................................. 75

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.................................................... 78

Hauskreis aktiv in Bosnien..................................................................... 83

Hauskreis im geistlichen Kampf............................................................. 85

Die katholische Kirche informiert........................................................... 88

Leben im Hauskreis............................................................................... 89

Erfolgreiche Hauskreis-Evangelisation.................................................. 91

Kleiner Exkurs: Evangelisation - authentisch oder gepuscht?.............. 95

Der Anfang vom Ende der Erweckung............................................. .. 101

Gemeindeleitung................................................................................. 106

Frauen an die Macht................................................................................ 106

Leiter unter der Leitung des Geistes?..................................................... 109

Kleiner Exkurs: Christen als Weltenrichter.............................................. 111

Bruder Julian und Gottes sonderbare Wege.......................................... 114

Trompeten für den Sieg........................................................................... 123

Wenn die bunten Fahnen wehen….......................................................... 123

Salbungen................................................................................................ 125

Gottesdienst und Gottespräsents.......................................................... 126

Lobpreiswolken....................................................................................... 126

Und der Herr spricht …............................................................................ 129

Zeugnis-Zeit............................................................................................ 134

Predigt..................................................................................................... 136

Aufruf...................................................................................................... 137

Kinderkirche, Jungschar, Majestic Scouts............................................ 139

Männertreffen......................................................................................... 145

Der soziale Auftrag................................................................................. 148

WG Mühlstraße....................................................................................... 153

WG Fuldern............................................................................................. 156

Kleiner Exkurs: Sündigen auch in Gedanken........................................ 185

Zwei besondere Bewohner - ehemalige „Knackis“.............................. 191

Tag der offenen Tür............................................................................... 200

Power Abend und WG-Freizeit.............................................................. 201

Werner Dannemann.............................................................................. 204

Eine interessante Mühle....................................................................... 207

Abschied von Fuldern........................................................................... 213

Vesperkirche......................................................................................... 216

Meine letzten Glaubensjahre............................................................... 219

Mein Ausstieg....................................................................................... 221

Mein letztes Gebet................................................................................ 223

Was ich heute glaube........................................................................... 224

Zukunftsprognosen.............................................................................. 227

 

Buch Teil II....................................................................................... 233

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse kontra Schöpfungslehr......... 236

Die Verlassenheit des Volkes Israel – Holocaust............................ 247

Ein Brief an den biblischen Chef-Autor............................................... 257

Henoch................................................................................................. 259

Lots Frau erstarrt zur Salzsäule...................................................... 260

Leckere Essensempfehlungen........................................................ 261

Simson und der Eselskinnbacken................................................... 261

Jesus verflucht den Feigenbaum.................................................... 262

Sünde gegen den Heiligen Geist.................................................... 263

Elia und das schwimmende Eisen.................................................. 264

Der verschluckte Prophet............................................................... 265

Rechenkünste beim Propheten Esra.............................................. 266

Zombies in Jerusalem..................................................................... 267

Kaskade der Ungereimtheiten......................................................... 268

Kaskade 1 Der Fall der Engel......................................................... 270

Kaskade 2 Fehler im Bauplan – Gott ein liebevoller Vater?............ 272

Kaskade 3 Was sucht der Teufel im Paradies?............................... 275

Kaskade 4 Der Mensch überhaupt schuldfähig?............................. 278

Kaskade 5 Sünde, Sünde und nochmals Sünde............................. 281

Kaskade 6 Ein professioneller Zeitplan?......................................... 286

Kaskade 7 Blut muss fließen........................................................... 294

Kaskade 8  Ein zweifelhaftes Opfer................................................. 297

Kaskade 9 Die Verantwortlichkeit der Gläubigen............................ 301

Kaskade 10 Die Früchte des Christentums..................................... 306

Kreuzzüge............................................................................................ 308

Hexenwahn.......................................................................................... 309

Judenverfolgung.......................................................................... 311

Inquisition.................................................................................... 315

    Gräuel christlicher Landnahmen................................................. 319

Kaskade 11 Die große Abrechnung................................................. 326

Kaskade 12 Himmlische Orte.......................................................... 330

Die Quelle – bereits infiziert?........................................................... 333

 

 

Meine Kindheit / erste Berührungen mit dem Glauben.......................... 10

 

Ich bin als ältester Sohn, zusammen mit zwei 3 und 9 Jahre jüngeren Geschwistern, in einer Familie aufgewachsen, die kirchlich überhaupt nicht engagiert war. Meine Eltern waren beide evangelisch. Jedoch hatten sie mit der Landeskirche „nicht viel am Hut“. Man machte eben das mit, was für das Leben vorgegeben war: als Baby wurde man getauft, man genoss den evangelischen Religionsunterricht in der Schule, mit 14 Jahren stand nach einjährigem Konfi-Unterricht die Konfirmation an, geheiratet wurde auf dem Standesamt, danach die kirchliche Hochzeit, ab und zu besuchten wir einen Gottesdienst an Weihnachten oder an Ostern, den Pfarrer sah man hin und wieder auf Beerdigungen und das war es auch schon. Was unsere evangelische Kirchengemeinde an Projekten und Gottesdiensten bewegte und wer in den Kirchengemeinderat gewählt wurde, erfuhren wir durch das Amtsblatt, dem sogenannten „Gmoinds-Blättle“, wie es bei uns im schwäbischen so schön heißt. Auf die Idee, aktiv mitzuwirken kam keiner von uns – Kirche war „Nebenschauplatz“.

 

Vor dem Essen wurde bei uns nie gebetet. Der bekannte Ausspruch „Gesegnete Mahlzeit“ war heruntergradiert zu einem langgedehnten „Maaahlzeit“ oder „Guten Appetit“. Beten wurde in der Familie nicht praktiziert, es war für den Gottesdienst in der Kirche vorbehalten. Dennoch bekamen wir Kinder von unserer Mutter ein kleines Kindergebet beim zu Bett gehen gelehrt. Es lautete: „Mein Herz ist klein, darf niemand hinein, als nur mein liebes Jesulein!“ Ein Gebet, das heute noch in den verschiedensten Ausschmückungen existiert. Ich habe es als kleiner Junge gerne gebetet, aber schon mit einem großen Fragezeichen. Mir war nämlich völlig unklar, weshalb der Herr Jesus etwas dagegen haben sollte, wenn ich andere Menschen in mein Herz schließen wollte. War Jesus auf mich böse, wenn ich meine Mama liebhabe? Das hat mich ganz schön beschäftigt. Heute weiß ich ein wenig mehr. Es gibt zwei Bibelstellen die einen Bezug zu diesem Kindergebet aufweisen. Die erste steht im …

 

Matthäus-Evangelium, Kap. 10,37. Dort spricht Jesus: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig!“

 

Die sehr viel heftigere Parallelstelle lesen wir in

 

Lukas 14, 26. Jesus sagt dort: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein“…

 

„Mehr lieben“ und „hassen“ sind sehr gegensätzliche Begriffe. Die Widersprüchlichkeit der Bibel zeigt sich schon an diesen kleinen Stellen. Nehmen wir zugunsten des relativ kleinen Problems an, dass der „liebe“ Herr Jesus keine bösen Gedanken bei seinen Aussprüchen hatte und der Verfasser Lukas womöglich nicht richtig informiert war: Jesu Toleranz hat klare Grenzen! Er genehmigt es, wenn Gläubige andere Menschen in ihr Herz schließen und lieben, aber: mit einem großen aber! Nur er selbst, Jesus, darf die erste Stelle einnehmen, alle anderen Dinge müssen sich unterordnen – Punkt! Man kann das gerne so stehen lassen, aber mich beschleicht heute ein außerordentlich ungutes Gefühl. Die angedrohte Konsequenz, “ist meiner nicht würdig“, erinnert mich an das eifersüchtige Denken und Handeln des alttestamentarischen Gottes Jahwe. Diesen Gott nannte Jesus sogar liebevoll „Abba-Vater“, d.h. „Papi“ oder Papa. Offensichtlich übernahm Jesus den Anspruch des eifersüchtigen Gottes.

 

Lebhaft erinnere ich mich an die Naturverbundenheit meines Vaters. Neben seinem anstrengenden Beruf als Schlosser in einem örtlichen Betrieb, war er stets aktiv als Kleingärtner und Kleintierzüchter. Schafe, Hasen, Hühner und Gänse waren unsere Spielkameraden auf unserer Ranch. Sie trugen immer wieder zur Auffrischung des Speiseplans, vor allem zu einem guten Sonntagsbraten bei. Wir hatten einmal so viel Kaninchen, dass es eine Zeitlang jeden Sonntag „Hasenbraten“ gab... Meine Kumpels aus derselben Straße und ich spielten gerne am Rand unseres Dorfes. Ich war der Boss, obwohl ich der Kleinste unserer Jungenbande war. Es war eine Gegend mit viel Wiesen, Wald und den herrlichen Wacholderheiden der Schwäbischen Alb, in denen man sich super verstecken und „Häusla“ bauen konnte. Als Jungs waren wir immer am Kämpfen, am Basteln von Speeren, Bogen und Pfeilen. Typische Jungs eben, die aus evolutionärer Sicht gesehen, spielerisch das einübten, was vor Jahrtausenden für Männer wichtig war: jagen und kämpfen, um sich selbst und den Familienverband am Leben zu erhalten.

 

Sonntagmorgens wurde nicht all zulange ausgeschlafen. Aber wir Kinder durften morgens in das elterliche Bett zum gemeinsamen Kuscheln kommen. Vater erzählte uns dabei wilde Storys aus seiner Jugendzeit, z.B. dass er mit seinen Tieren, die er als Junge schon betreute, Kunststückchen eingeübt hatte. Bei manchen Zirkusnummern verdiente er sich sogar ein Taschengeld. Grausig, aber immer wieder hörenswert, war die Erzählung von einem Unfall beim Schlittenfahren, wo einer seiner Kameraden sich das Genick gebrochen hatte und gestorben war. In seinen Ausführungen kam er selbst immer gut weg, vor allem bei seinen Geschichten, wie er im Fußballverein die Tore reingemacht oder wie er sich bei manchen Schlägereien behauptete. Unser Papa war ein Held! Wir Kinder hingen an seinen Lippen, aber allmählich fiel ihm nichts mehr Neues ein. So musste er sich etwas Besonderes einfallen lassen. Irgendwie kam er auf den „lieben Gott“ zu sprechen, auf Jesus und die Jünger. Ich erinnere mich daran, dass er diese Personen immer in ein positives Licht stellte. Fasziniert war ich von den Heilungswundern: wow, ein Blinder konnte durch Jesus wieder Sehen und ein Lahmer konnte wieder Gehen. Jesus ließ sich nichts gefallen und gab den Pharisäern immer „eins auf die Mütze“. Sogar im heiligen Tempel. Dort warf er aus Wut alle Tische der Händler um. Vater erzählte uns alles ungefiltert, so, wie er es noch aus seinem Religionsunterricht her wusste. Auf die Idee die große schwarze Bibel mit Goldrand, die er zur Hochzeit vom Pfarrer geschenkt bekommen hatte, zurate zu ziehen und vorzulesen, kam er nicht.

 

In dieser Zeit gewann ich die Person Jesus kindlich lieb. In meiner Zeit als Christ sah ich diesen Rückblick immer als eine von Gott gewirkte Berufung. Wenn ich meinen Zuhörern davon erzählte, sagte ich mit sentimentaler Frömmigkeit: „Seht her, hier hat mich Gott schon zu sich gerufen!“ Heute sehe ich andere Hintergründe für meine Hinwendung und dem Interesse an Jesus: jedes Kind liebt und verehrt seine „Heroes“ und Vorbilder! Im Spiel imitieren Kinder gerne ihre Stars. Sie werden vorübergehend zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. Egal ob es sich um Jesus, Tarzan, Luke-Skywalker oder heutzutage um einen bekannten YouTuber handelt…

 

 

Kleiner Exkurs: Evangelisation - authentisch oder gepuscht?.............. 95

 

Sowohl gastgebende Gemeinden, als auch die Redner(innen) legen Wert darauf, dass bei entsprechenden Veranstaltungen möglichst eine „warme Atmosphäre“ geboten wird. Das gehört einfach zum guten Ton und geht im Vergleich zu jeder anderen Veranstaltung völlig in Ordnung. Jeder Besucher wünscht sich doch eine freundliche Begrüßung, schöne Musik, einen entsprechend dekorierten Raum, warmes Licht und saubere Toiletten! Gelungene Events benötigen perfekte Grundlagen.

 

Jedoch entwickeln Evangelisationen eine Atmosphäre über die Normalität hinaus. Das Produkt wird, wie bei Kaffeefahrten auch, „in den Himmel gelobt“ und möglichst ertragreich verkauft. Der „Kunde“ wird durch eine die Sinne berührende, einseitige Argumentation weichgeklopft. Die Zuhörer werden begeistert - ein Schnäppchen vorgegaukelt. Am Ende folgt unausweichlich das eindringliche Angebot des Predigers: „Greifen sie doch zu!“ „Sie könnten sonst die einmalige Offerte verpassen!“ „Heute ist der Tag des Heils!“ „Der Herr Jesus wartet auf dich!“ „Lass den Tag nicht verstreichen!“ usw. Kaum ein Evangelist gibt seinen Zuhörern den Tipp, das Produkt erst einmal auf „Herz und Nieren“ zu prüfen oder Vergleichsangebote einzuholen.

 

Meist werden nur die positiven Inhalte gepredigt. Ihre Inhalte in Kurzform lauten:

 

Ø  Jesus, dein Freund! Die Brücke zum Vater!

Ø  Gott, ein sehnsuchtsvoll (auf dich!) wartender „Papa“.

Ø  Wer glaubt, wird selig! Wird zum Kind Gottes und hat das Ewige Leben.

Ø  Bei ihm wird alles vergeben! Ein Neuanfang ist möglich!

Ø  Du wirst von neuem geboren! Bei dem Vater bist du geborgen, beschützt und wirst getröstet …

Ø  Der Heilige Geist: hält Abenteuer für dich bereit …

 

Das sind einfache, schöne, herzerwärmende Botschaften. Gerade Men-schen, die durch Lebenskrisen gehen, die Enttäuschungen in Beziehun-gen erlebten, die sich ungeliebt und abgelehnt fühlen, werden durch solche Aussagen besonders angesprochen. Ihnen drängt sich das Liebesangebot Gottes am hartnäckigsten auf. Bei so viel Liebe und guter Hoffnung, wird das Herz berührt und das Verlangen geschürt …. Ein „Ja“ zur Bekehrung ist ein verlockender Schritt. Viele Zuhörer lassen sich ungeprüft auf ein Übergabegebet ein. Die Falltür ist zugeschnappt. Der Evangelist freut sich.

 

Neubekehrte werden in der Regel schnell zu Mitgliedern freikirchlicher Gemeinden. Dabei versäumt der überwiegende Teil, die Kosten zu über-schlagen. Welche Anforderungen und Nebenwirkungen könnten mit dem neuen Schritt verbunden sein? Was stellt die Bibel für Anforderungen? Darf ich in der christlichen Gemeinde einfach nur Gast sein oder wird etwas von mir verlangt? Was soll ich in Zukunft tun oder lassen? Kein einziger Gedanke wird daran verschwendet! Zu tief sind die Glücksgefühle und die Begeisterung. Viele Evangelisten agieren entgegen dem Wort ihres Herrn absolut nachlässig. Denn Jesus selbst betonte nachdrücklich, dass jeder Bekehrungswillige vorher die Bedingungen der Nachfolge abwägen solle:

 

Lukas 14, 25-29 „Es gingen aber große Volksmengen mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein. Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden“.

 

Was sind denn nun Jesu Anforderungen an die Jünger(innen), die ihm nachfolgen möchten? Ich habe mir Gedanken gemacht und eine Liste gefertigt. Sie enthält nicht nur negative, fragwürdige Punkte, sondern durchaus ein paar (wenige) positive Aspekte. Von den christlichen Gemeinschaften werden in ihrer Auslegung gerne die dahinterstehenden Bibelstellen (es gibt wesentlich mehr!) als Begründung herangezogen.

 

Ø  Bring dich aktiv in der Gemeinde mit Deinen Gaben und Talenten ein (Matthäus 25, 14 – 30), dann kannst Du im Himmel Lohn erwarten. Wenn du nicht bereit dazu bist und es verweigerst, kann es schlimme Konsequenzen (Matthäus 25, 24 – 30) für dich haben.

Ø  Diene Gott! Schließe dich einer Gemeinde an! Sei aktiv und treu! Verleugne dich selbst!  (Matthäus 4, 10, 1. Korinther 4, 9, Psalm 101, 6, Josua 24, 14, Lukas 14, 26)

Ø  Ordne dich der Leitung der Gemeinde unter! (1. Petrus 5, 5) Sei gehorsam, auch wenn dein Gewissen etwas anderes sagt…!

Ø  Nichts darf wichtiger sein, als der dreieinige Gott! Er muss die erste Stelle in deinem Denken und Handeln einnehmen! (Matthäus 10, 37, Matthäus 6, 33, Markus 12, 29-30)

Ø  Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst! Auch Feinde! (Markus 12, 31, Lukas 6, 35)

Ø  Sei bereit zur Vergebung und Versöhnung mit anderen Menschen! (Markus 11, 25, Matthäus 5, 24)

Ø  Erzähle anderen von deinem Glauben! Evangelisiere! Das ist keine Option, sondern ein Befehl! (Matthäus 28, 16-20, Markus 16, 15-20)

Ø  Gebe (mindestens) zehn Prozent deiner Einkünfte mit freudigem Herzen in das Reich Gottes (in die Gemeinde und Missionswerke)! (Maleachi 3, 10, Lukas 6, 38)

Ø  Bete zu jeder Zeit! Nimm am Gebetskampf der Gemeinde teil! Besuche Gebetsmeetings, Stundengebete, Gebetsseminare, 24-Stundengebete usw. (Epheser 6, 12.18, 2. Mose 17, 11)

Ø  Lobpreise Gott, bete ihn an! Sei vorsichtig bei weltlichen Liedern, das könnte dich zur Sünde verleiten! (Psalm 66, 8, Römer 15, 9, Epheser 4, 29) Vernichte destruktive Tonträger, schalte bei manchen Beiträgen Radio, TV und Internet aus.

Ø  Wenn du eine Frau bist: ordne dich deinem Ehemann unter! Er ist dein Haupt! (Kolosser 3, 18, 1. Petrus 3, 1)

Ø  Meide Leute, die deinem Glauben gefährlich werden könnten – insbesondere Irrlehrer, Sektierer, Kriminelle, Leute mit negativem Lebenswandel!  Pflege keine Freundschaften mit weltlichen Menschen! (2. Korinther 6, 14, 5. Mose 7, 1-4)

Ø  Sex vor der Ehe ist verboten (5. Mose 22, 28-29, 1. Korinther 7, 9)

Ø  Bist du homosexuell? Dann ist etwas in deinem Leben falsch gelaufen und du bist schuld daran… vor Gott musst du dich deshalb verantworten! (Römer 1, 26 ff., 3. Mose 18, 22 ff.) – auf Dauer ist das nicht tolerierbar (ein „No-Go“): nimm deshalb christliche Seelsorge in Anspruch, falls es mit der „Umpolung“ zum Heterosexuellen nicht funktioniert!

Ø  Der „Tempel des Heiligen Geistes“ (dein Körper) ist heilig. Unterlasse alles was jenen schädigen kann: z.B. rauchen, zu viel Alkohol, schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung, zu viel Internet/TV-Konsum, wahllose sexuelle Beziehungen usw. (1. Korinther 6, 12 ff.)

Ø  Strebst du höhere Positionen („eine Karriere“) in der Gemeinde an? (Markus 10, 43, 1. Timotheus 3, 1-7) Dann musst du ein hingegebenes, authentisches Christenleben führen, indem du alle vorgenannten Punkte zutiefst beachtest, predigst und lebst!  

 

Ein Evangelist stellt in seinen Predigten Gott immer positiv dar! Die dunklen Seiten des biblischen Gottes…

 

Ø  „der Rächer“ (Nahum 1, 2, Römer 12, 19)

Ø  „der Eifersüchtige“ (Nahum 1,2, 2. Mose 34,14, Jakobus 4, 5)

Ø  „der „Beleidigte/Gekränkte“ (5. Mose 32,16, Epheser 4, 30)

Ø  „der gnadenlos Strafende“ (Josua 11, 20, Hebräer 10, 28.31)

Ø  „der Manipulierer/der Berechnende“ (Josua 11, 20, Johannes 12, 40, Jesaja 8, 14, 2. Thessalonicher 2, 11)

Ø  „der Kontrollierende“ (Prediger 12, 14, Daniel 2, 22, Psalm 33, 13, 1. Korinther 4, 5)

Ø  “der Intolerante“ (3. Mose 18,22, 3. Mose 20,23, 5. Mose 7,25)

Ø  „der Lügen für seine Zwecke gebraucht“ (1. Könige 22, 22, 2. Thessalonicher 2, 11) und

Ø  „der Geschäftemacher mit Übeltätern“ (Hiob 1, 6-12),

 

werden unterschlagen. Kein Makel darf an Jahwe, Jesus, dem Heiligen Geist oder Himmlischen Vater haften. Der Herr besitzt das Prädikat „Heilig und rein!“. Die Redner sind selbst Geblendete eines zutiefst einseitigen Gottesbildes.

Ebenso werden die brutalen Konsequenzen der Nichtannahme des Evangeliums durch die Evangelisten zu wenig oder gar nicht erwähnt (siehe Kapitel: „Die frohe Botschaft in der FuZo“).

 

Wenn es sich um Evangelisationen pfingstlicher oder charismatischer Organisationen handelt, ist die Wahrscheinlichkeit Übertreibungen, selbst gemachten Interpretationen und Unwahrheiten aufzusitzen, besonders groß. Pfingstler berichten liebend gerne von Heilungswundern, manchmal auch von Totenauferweckungen. Solche Wunder werden als Belege für göttliches Handeln gewertet. Die Authentizität ihrer Berichte ist kaum nachprüfbar. Sie geben sich den Anschein von Heilig-Geist-Beseelten, predigen mit überschwänglicher Freude, hingegebenem Enthusiasmus und tiefer, ergreifender Bürde. Einige verbreiten in ihren Werbeveranstaltungen regelrecht gute Laune, sie lachen und machen Witze. Viele Evangelisten wirken deshalb auf ihre Zuhörer sehr anziehend und sympathisch. Manche Sprecher schreiten ruhelos, vom Thema beseelt, auf der Bühne hin und her.

 

In GOD-TV beobachtete ich vor kurzem einen Verkündiger, der ein seltsames Verhalten an den Tag legte: er predigte und hielt etwa alle 50 Sekunden abrupt an. Es hatte den Anschein, als ob eine unsichtbare Macht ihn abbremsen würde. Dabei richtete er seinen Blick verklärt in weite Fernen und sein Arm schlenkerte hin und her. Es hatte den Anschein, als ob der Mann für einen Moment eine Marionette des Höchsten wäre. Das ging nur ein paar Sekunden lang. Anschließend machte er weiter. Er tat so, als ob sein Verhalten die normalste Sache der Welt sei. Dem Publikum erklärte er nichts über sein plötzlich verändertes Verhalten. Sein Geheimnis schwebte unsichtbar im Raum. Ich fragte mich: hat Jesus seine Zuhörer auf gleiche Weise beeindruckt?

 

Geschickt gipfelt der Vortrag am Ende in einen „Aufruf“ zur Bekehrung.

Während des Aufrufes (ich bezeichne es als „Seelenmassage“) ist sehr oft eine Symbiose zwischen Prediger und Anbetungsband auszumachen. In dieser entscheidenden Phase, unmittelbar vor der Lebensübergabe an Jesus Christus, kann bewegende Musik eine entscheidende „Hilfe“ zur Bekehrung sein. Mit sehr viel „Moll“ angereichert, wiederholen sich anbetende Textphrasen (z.B. „Jesus, du bist so gut zu uns – Jesus, du bist so gut zu uns – lieber Jesus, du bist so gut zu mir…!“ usw.). Die Atmosphäre verdichtet sich zunehmend in „himmlische Sphären“. Wenn der Sprecher energischer spricht, spielt auch die Band lauter. Wenn er sanftere Töne anschlägt, spielt sie ganz zart. Die Zuhörer werden mit Hilfe der Musik in Schwingung versetzt. In der letzten Phase bittet der Evangelist alle Anwesenden ihre Augen zu schließen. Er fordert Bekehrungswillige auf, eine Lebensübergabe durchzuführen. Dabei ergeht die Anweisung „die wichtigste Entscheidung des Lebens jetzt festzumachen!“ Das Wort „jetzt“ wird dabei besonders betont. Der Evangelist ist dabei „ein wahrer Freund“ – er gibt Hilfestellung: er betet vor - alle die sich angesprochen fühlen, sollen nachbeten. Die Bekehrungswilligen werden gebeten, kurz die Hand zu heben. Alle anderen sollen bitte die Augen geschlossen lassen. Der Evangelist bedankt sich artig bei allen die das tun und sagt: „Danke, ich habe deine Hand gesehen, der Herr sieht deine Hand!“

 

Ich gebe zu, ich habe mich häufig nicht daran gehalten, habe geblinzelt und war neugierig wer sich wohl bekehren möchte. Den Kopf habe ich innerlich darüber geschüttelt, dass schon gläubige Geschwister sich bei jedem Evangelisationsabend bekehrten. Das fiel sogar dem Pastor auf, der das Thema in seine Bibellehre nahm und „unseren Schäfchen“ wieder einmal erklären musste, dass die persönliche Bekehrung eine einmalige Sache sei.

 

Dann beginnt das Lebensübergabegebet. Es wird meist mit der Buße über persönliche Schuld eröffnet und geht über in die Einladung an Jesus Christus „sei mein Herr und Meister“! Er soll das Herz und den ganzen Sinn ausfüllen. Anschließend verspricht man Jesus, ihm in allen Dingen nachzufolgen. Ist das erledigt, werden die “neugeborenen Christen” beglückwünscht und nach vorne gebeten. Jetzt wird es öffentlich. „Aha, das sind die neuen Mitglieder! Mal sehen, wen ich zum Kaffee, zur Bibelstunde etc. einladen kann“. Die Frischbekehrten bekommen am Ende noch einen Segen mit auf den Weg… mit der Aufforderung verbunden, sich einer Gemeinde anzuschließen und mit bibeltreuen Christen Gemeinschaft zu pflegen.

 

Eine „feinere Art“ der Evangelisation findet in sogenannten „Alphakursen“[1] statt. Sie werden überwiegend von freikirchlichen Gemeinden angeboten. Überschrieben ist das Treffen mit „Der Kurs für Sinnsucher“ und „Hat mein Leben eine Bedeutung?“. In mehreren Abenden werden bei angenehmer Atmosphäre, in geselligem Beisammensein, mit Essen und Trinken, biblische Themen behandelt, die konkret auf eine Bekehrung abzielen. Geleitet werden die Abende durch geschulte Personen. Die Teilnehmer sollen in einen Meinungsprozess einsteigen und in der Gruppe ihre Fragen und Zweifel anbringen und diskutieren können. Der Kurs ist kostenlos. Zu jeder Zeit besteht die Möglichkeit auszusteigen. Die Themenauswahl ist jedoch typisch einseitig gehalten, seelengewinnend, auf Jesus und sein Erlösungswerk bezogen. Kritische Themen, wie ich sie bereits erwähnt habe und im zweiten Teil meines Buches vertiefe, werden nicht behandelt und bewusst ausgelassen. Der über zehn Abende und mit einem festlichen Abschlussabend abschließende Kurs, beleuchtet fast nur die „Sonnenseiten“ der Bibel. So findet eine einseitige Meinungsbildung statt. Dazu kommt noch die Gruppendynamik, die bei einer Entscheidung für den Glauben, mit großer Wahrscheinlichkeit eine ebenso nicht von der Hand zu weisende Rolle spielt.